„Sagt mal, Jungs, wie seid ihr eigentlich auf den Namen Blue Steel gekommen?“ Diese Frage führt unsere Statistik der häufigsten Fan-Interaktionen unangefochten an...
Zugegeben: Wir haben mit der Antwort lange hinter dem Berg gehalten. Die Wahrheit klingt schlichtweg zu phantastisch. Sie wirkt, als hätten sich die Autoren von Akte X mit Historikern für Verschwörungstheorien zum Brainstorming getroffen.
Der Ursprung: Ein Colt für alle Fälle (1933)
Der Name Blue Steel führt uns zurück in das Jahr 1933, zum gleichnamigen
Western-Film mit dem legendären John Wayne. In diesem Streifen führt John
Carruthers (Wayne) einen sagenumwobenen Colt, der – so will es das Drehbuch
– niemals sein Ziel verfehlt.
Erst 1948 tauchte der gestohlene Colt bei einem schrulligen Altmetallhändler in der Nähe von Bakersfield wieder auf. Stahl war im Nachkriegsamerika ein rares Gut. Der damals noch unbekannte Songwriter und Tüftler Merle Travis entdeckte die Waffe, kaufte sie für eine Handvoll Dollar und fasste einen folgenschweren Entschluss: Er ließ den mystischen blauen Pistolenstahl einschmelzen.
Das Resultat: Ein Satz von 12 Gitarrensaiten und 5 Basssaiten aus purem Blue Steel. Travis zog diese Saiten auf seine damals neuartige elektrische Gitarre auf – und das Wunder geschah. Der Stahl, der niemals sein Ziel verfehlte, traf nun jeden Ton.
Sprung ins Jahr 1954, Memphis, Tennessee. Am 5. Juli saßen die „Blue Moon Boys“ frustriert in den Sun Studios. Die Session lief schleppend. Man spielte uninspiriert Country-Balladen, doch der Funke wollte einfach nicht überspringen.
Am nächsten Tag erschien Scotty Moore mit einem Bündel gebrauchter Saiten, die er beim Pokern von Merle Travis gewonnen hatte. Da die Band dachte, die Session sei ohnehin im Eimer, zogen sie den „alten Schrott“ auf.
Kaum berührte der Blue Steel die Instrumente, veränderte sich alles. Ein gewisser Elvis Presley begann wie von der Tarantel gestochen zu hüpfen. Innerhalb von zehn Minuten war „That’s All Right Mama“ im Kasten. Der Rockabilly war geboren.
Als Elvis 1958 seinen Wehrdienst in Deutschland antrat, reiste das wertvollste Gepäckstück in seinem Seesack mit: Die Blue Steel Saiten. Am 23. Oktober 1958 besuchte Elvis Bill Haley in Frankfurt und schwatzte ihm die Saiten auf.
Die Folgen waren brachial. Die Konzerte gerieten außer Kontrolle. Beim legendären Auftritt im Berliner Sportpalast rastete das Publikum so sehr aus, dass Haley fliehen musste – und sein Equipment in den Trümmern zurückließ. Dort fand ein Bühnenarbeiter die Saiten und bewahrte sie jahrzehntelang in seiner Vitrine auf.
Hier verliert sich die Spur zunächst. Hartnäckige Gerüchte, die Saiten hätten einer Pilzkopf-Band aus Liverpool zum Durchbruch verholfen, sind eindeutig falsch. Die Wahrheit ist: Die Wundersaiten tauchten Anfang 1997 völlig unscheinbar bei eBay auf.
Im Jahr 1998 erhielt der passionierte Heavy-Metal-Bassist Michael Lehr ein seltsames Päckchen: Ein Satz uralter, blau schimmernder Saiten.
Als er versuchte, sein gewohntes Metal-Riff anzustimmen, verweigerten seine Finger den Dienst. Statt düsterer Klänge erklang ein treibender Wechselbass, der nach Staub und Freiheit klang. Der Fluch des John-Wayne-Colts hatte wieder zugeschlagen. Michael konnte keinen Metal mehr spielen – und so blieb uns gar nichts anderes übrig...